Eine Fahrt mit dem Maritimclub Schwerte von Nyköping nach Burgtiefe
„Meine verehrten Reisenden, dieser Zug endet außerplanmäßig in Ulm Hauptbahnhof“, tönt es kurz vor Ulm aus dem Lautsprecher des Interegio Express IRE 4224. Wegen eines unbekannten Gepäckstückes in einem ICE ist die Strecke Stuttgart – Ulm gesperrt. Wie komme ich jetzt nur nach München zum Flughafen? Die SAS-Maschine nach Stockholm Arlanda wird wohl kaum auf mich warten. Aber ich bin ja Kummer mit der DB gewohnt. 20 Minuten später befinde ich mit mit einem AVIS Mitwagen auf der A 8 Richtung München und ich komme pünktlich dort an. Der Flug geht über die Ostsee, Bornholm und an der schönen Schärenlandschaft entlang sogar direkt über Stockholm hinweg nach Arlanda. 20 Minuten später habe ich das Bahnticket nach Nyköping in der Tasche und um 18:40 Uhr laufe ich auf den Hafen in Nyköping zu, wo mich die Crew mit Skipper Udo schon erwartet. Wie bin ich zu diesem Törn gekommen? Nun, nachdem der Maitörn in der Türkei wegen Krankheit von Teilnehmern und Schaden an der HR 43 mit 0 sm (in Worten Null) vonstatten gegangen war, wollte ich doch noch ein wenig zum Segeln kommen. So stieß ich im internet auf eine Anzeige des Martimclub Schwerte, welcher noch einen Platz zum Mitsegen in den Ostschwedischen Schären anbot. Nach telefonischer Rücksprache mit dem Skipper und Organisator der Reise sagte ich zu, ohne das Schiff und Crew jemals gesehen zu haben. Und es hat sich gelohnt.
Hier meine Segelbericht von 14 Tagen auf der Stahlketch „Seelord“.

Die "Seelord" im Morgennebel in Nyköping / Ostschweden am Kai
22.08. -25.08.2009, von Nyköping über Fyrudden bis Visby/Gotland
Früh standen wir auf, denn nach dem Frühstücken folgte noch die gründliche Sicherheitseinweisung der Crew. Von der Schwimmweste, Feuerlöscher, über die Gasanlage für die Pantry bis zur Funktion der Ankerwinsch dauerte es etwas. Aber um 9:15Uhr wurden die Leinen losgeworfen und wir fuhren los.

Typische Schwedenhäuser inmitten der Schärenlandschaft

Perfektes Kochen für unser leibliches Wohl
Direkt hinter Nyköping mussten wir uns strikt an die Betonnung des Fahrwassers halten, denn nur hier ist die Wassertiefe ausreichend für unsern 2m tiefen „Seelord“. Bei bestem Wetter fuhren wir vorbei an unzähligen Schwedenhäusern durch die herrliche Schärenlandschaft. Mitsegler Jürgen, ein nach Schweden ausgewanderter Schweizer und Geschäftspartner des Skippers wollte uns nicht nur nach Gotland begleiten, sondern während der Fahrt auch noch für unser leibliches Wohl sorgen. Ich muß es tatsächlich so ausdrücken: Er kredenzte uns 3 Tage lang die besten Schwedischen Köstlichkeiten. In den Schären ist ja kaum Seegang und er zauberte unterwegs ein vorzügliches Mahl. Nach 40sm erreichten wir um 17:24Uhr den Schärenhafen „Fyrudden“ und legten direkt vor dem Hafenmeistergebäude am Kai längsseits an. So saßen wir neben dem Schiff in der Abendsonne beim Abendbrot. Die bereitstehenden Bänke holten wir ganz einfach vor unser Schiff.


Aufnahmen aus dem Wasser während eines Badestopps

Visby voraus, in kürze werden wir in den Hafen einlaufen
24.und 25.08.09, Gotland und Fårø, 1 Tag mit Mietwagen und Mietmotorrad
In Visby war ein Hafentag mit Stadt und Inselbesichtigung vorgesehen. Das Hafenbüro ist gleichzeitig neben einer Auto- auch eine Motorradvermietung. So beschloß ich, wegen meines Videozubehörs einen Toyota Corolla für 1 Tag zu mieten, um nach Norden bis zur Insel Fårø zu gelangen, wo die berühmten Rauka Formationen zu besichtigen sind. Nolty blieb den Tag an Bord zum Relaxen und Udo, Martin, Volker und Olaf mieteten sich 3 Motorräder. Endlich mal eine Harley fahren!

Übernahme eines Motorrades am Hafen

Treffen am Fährparkplatz in Kappelshamn

Raukas auf Fårø (Digerhuvud und Langhammars)

1225 geweihte Domkirche Santa Maria für die deutschen Kaufleute erbaut
Geschichtliches zu Visby: Lange Zeit als Hansestadt, später unter dänischem Einfluß (1361 vom Dänenkönig Valdemar Atterndag erobert und ausgeplündert). Santa Maria blieb 1525 als einzige von 16 Kirchen von einer Lübecker Kriegsmacht verschont welche das dänische Visby niederbrannte. Seit 1645 gehört Gotland zu Schweden.
26.08. – 29.08.2009 Öland, Kalmarsund, Südschweden
Der Abschied von Gotland erfolgte beim ersten schlechten Wetter und fiel uns daher nicht so schwer; es gab leichten Nieselregen. Nach dem Ablegen um 9:15Uhr konnten wir bis 12:25Uhr immerhin Segeln und dabei gut 30sm zurücklegen. Über Byxelkrog (49,7sm) an der Nordspitze von Öland gelegen erreichten wir am 27.8.09 nach weiteren 54,6sm um 19:35Uhr Kalmar. Wir machten im alten Ölandhafen fest, von wo aus vor dem Bau der Kalmarsundbrücke die Fähren dorthin abgelegt hatten. Die Ölandbrücke war lange Zeit die längste Brücke Europas. Heute ist dies die Brücke über den Tejo bei Lissabon und vielleicht zukünftig die geplante Brücke über die Straße von Messina von Italien nach Sizilien. In Kalmar, der ältesten Stadt Schwedens, herrscht die Betriebsamkeit einer quirligen Stadt. Moderne, funktionelle Sanitäranlagen und die Bahnstation nur 100m entfernt vom Liegeplatz lassen diesen Hafen in jeder Hinsicht für einen Crewwechsel empfehlen, was ich sowohl für einen Törnstart 1999, als auch ein Törnende 2000 bereits genutzt habe. 1992 und 1998 besuchte ich Kalmar und 1992 auch das Kalmarer Schloß bei einer Durchreise. Aufgrund der günstigen Lage zu Restaurants wurde hier abends Essen gegangen.

Fahrt auf die Kalmarsundbrücke zu, ehemals die längste Brücke Europas

Idyllischer, kleiner Hafen Kristianopel mit sehenswerter Kirche

Mehlpuffer unterwegs; es hat geschmeckt
Bis Klintholm legten wir insgesamt 173,1sm am Stück zurück. Die Fahrt gegen den Seegang war zum Teil unangenehm und wir konnten auch nur eine Geschwindigkeit von 3-4 Knoten im Durchschnitt erreichen. Natürlich wurden in dieser Zeit auch gekocht und die Mehlpuffer zwischendurch haben allen bestens gemundet. Insgesamt waren wir dann am 31.8.09 froh als die Mønsklint in Sicht kamen und wir um 16:40 Uhr in Klintholm festmachen konnten. Die nahegelegene Gaststätte bot vorzüglich gebackene Scholle, bei welcher die Crew ordentlich zulangte.
01.09 – 02.09.09, Dänemark von Klintholm bis Gedser
Um 10:30Uhr liefen wir nach dem Tanken aus in Richtung Gedser. Unter Vollzeug: Genua, Groß und Besan, hatten wir einen angenehmen Segeltag im Sonnenschein. Nach nur 32,5sm machten wir um 17:40Uhr in Gedser neben der Tankstelle fest. Die anwesenden Gastlieger bekamen in diesem kleinen Hafen dabei richtig etwas geboten. Aber unser Skipper Udo zeigte allen mal wieder, dass man auch mit einem Langkieler von 18,8m gekonnt gut manövrieren kann. Beim Essen in der Hafengaststätte wählte ich diesmal ein Lachsfilet.

Im Sonnenschein unterwegs auf der Ostsee, die "Seelord" fährt unter Autopilot
02.09. – 04.09.2009, zurück in Deutschland, von Gedser über Rostock nach Burgtiefe
In fast gleich langer Strecke, nämlich 33,2sm querten wir das Seegebiet zwischen Dänemark und Mecklenburg-Vorpommern. Bis vor Warnemünde konnten wir beim Halbwindkurs bequem segeln und der Wind trieb mit SW 5 den Lord, wie wir ihn auch nannten, zu Geschwindigkeiten von 6-7 Knoten. Das ist die Windstärke und auch der Kurs zum Wind, den er liebt. Dafür segelten wir nur unter Fock und Großsegel; den Besan habe wir gar nicht gesetzt. In der Einfahrt in die Warnow bargen wir die Segel und motorten die restlichen 6 sm bis nach Rostock. Nach einem ausgiebigen Stadtrundgang ließen wir uns im Steakhouse nieder. Ein tolles Essen mit Wein schloß diesen Tag ab.

Angenehmes Halbwindsegeln unter Fock und Großsegel

Ölzeugwetter am letzten Segeltag nach Burgtiefe/Fehmarn

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2010 © G. Kessler