Familiensegeln
auf der Ostsee 2011
Eine
Fahrt in die ãDŠnische SŸdseeÒ
Unser jŸngstes Crewmitglied
schaut traurig durch das durchsichtige Steckschott unserer ãWind of ChangeÒ,
einer Dufour 44. Seit 2 Tagen liegen wir in Burgtiefe auf Fehmarn und unablŠssig
trommelt der Regen aufs Deck. Der Wind in Bšen bis 9Bft. will uns beim Gang auf
dem Steg fast hinunterwehen und Paul mu§ fest an die Hand genommen werden.
Im Jahr 2011 habe ich bislang
nicht vor einen eigenen Tšrn zu machen. So traf es sich bestens, da§ mein
Segelkamerad Michael, der seit geraumer Zeit ein eigenes Boot anschaffen will,
eine Deckshand fŸr seinen Familientšrn anfragt. Das hat mir in meiner
Segelkarriere noch gefehlt: Segeln mit Kleinkind. Also sagte ich zu.
Hier mein Segelbericht von
14 Tagen auf der Dufour 44 ãWind of ChangeÒ.

Paul
schaut traurig durch das Niedergangschott: Wann segeln wir endlich?
Von Burgtiefe nach Bagenkop, Marstal und Svendborg
Am Dienstag, also nach 3 geschlagenen Hafentagen in
Burgtiefe, ging es los. Auch wenn das Wetter nicht wirklich sommerlich war, konnte
Bagenkop auf der DŠnischen Insel Langeland nach 34 sm unter Motorkraft erreicht
werden. Bereits um 15:10Uhr machten wir die Leinen fest.
Es
geht los, auch wenn das Wetter unangenehm ist: Lifebelt hei§t ãsafety firstÒ
Am Abend erwartete uns im Hafen eine †berraschung. Von dem
Turm herunter am Hafenkai intonierten 2 SommergŠste einige MusikstŸcke. Ich
zumindest fand das Engagement toll.

Posaune und Klarinette : ein
AbendstŠndchen in Bagenkop
Am nŠchsten Morgen ging es sehr spŠt los nŠmlich erst um
11:45 Uhr. Die ErklŠrung ist einfach: es ging nur 9 sm weiter nach Marstal auf ®r¿
gelegen. In Marstal ist eine alte Werft beheimatet, die bis heute eine Jahrhunderte
alte Tradition auch im Holzschiffsbau und Unterhalt pflegt. Bei Einlaufen in
den Hafen fŠhrt man daran vorbei.
In Marstal: Jugendliche mit Hunden; die Sommerfrischler kommen!
Da wir in der Haupturlaubszeit unterwegs waren, fielen mir
die vielen Familiensegler und Jugendlichen auf, die die Yachtszene bevšlkerten.
Auf diese Art wurde uns von unserem Liegeplatz aus viel Kurzweil geboten.
Paul wird 3 Jahre alt; Geburtstagsfeier an Bord
Das frŸhe Einlaufen hatte noch einen wichtigen Grund.
Paul wurde an diesem Tag 3 Jahre alt und wir feierten dies mit Kaffee und
Kuchen. Sogar die Kerzen fŸr den Geburtstagskuchen mit ãhappy birthdayÒ drauf
durften da nicht fehlen. Weiterhin bekam er noch einen Kasten mit Lego Duplo Bausteinen,
die wŠhrend der restlichen Fahrt eifrig benutzt worden sind.
DŠnische
SŸdsee; Svendborg auf Fyn und S¿by auf ®r¿
Nun bei bestem Wetter ging
es weiter in das Herz der ãDŠnischen SŸdseeÒ hinein. Dem Tonnenstrich folgend
erst mal nach Norden an Rudk¿bing vorbei und kurz danach durch eine 27m hohe
BrŸcke, die Langeland Ÿber TŒsinge mit der Insel Fyn verbindet. Es ist in
diesen Fahrrinnen spannend wenn die FŠhren passieren. Sie wirken in der NŠhe
viel grš§er als in den HŠfen und exaktes Fahren und Navigieren ist angesagt.

FŠhren benštigen viel Platz im Fahrwasser
Schlie§lich erreichten wir Svendborg und machten direkt an
der Uferpromenade fest. Es war eine Menge in der Stadt los. Das bedeutetet
allerdings auch eine Menge LŠrm die ganze Nacht hindurch. Sosehr ich diese
Stadt auch angenehm in Erinnerung hatte, allerdings in der Nebensaison, wir
sahen zu, da§ wir am nŠchsten Tag weiterkamen.

Oldtimerregatta
mit TV Helikopter
ZunŠchst hatten wir als Tagesziel ®r¿sk¿bing angepeilt, doch
wŠhrend der Fahrt konnten wir nach dem Tonnenstrich den Kurs in Richtung S¿by
anliegen. So entschlossen wir uns dorthin
zu fahren. Unterwegs waren uns schon die vielen Traditionssegler aufgefallen.
Je nŠher wir der Insel ®r¿ kamen, um so mehr tauchten auf. Als dann noch 2
Hubschrauber im Tiefflug um diese Schiffe flogen war uns klar: Hier findet eine
Oldtimer-Regatta statt. Und ®r¿sk¿bing ist dann všllig Ÿberlaufen.
In S¿by angekommen, fanden wir einen schšnen Liegeplatz in
der 2.Boxenreihe. Einerseits mit Blick auf die Hafeneinfahrt und aufs Wasser,
andererseits auf das Land und die Uferpromenade.
WŠhrend in den grš§eren HŠfen der
Hafenmeister durch einen schnšden Automaten ersetzt worden ist, kommt hier noch
ganz traditionell der Hafenmeister mit entsprechender MŸtze und UmhŠngetasche
zum Kassieren des Hafengeldes vorbei.
S¿by, der
Hafenmeister kommt
NatŸrlich geschieht die Abrechnung per DatenŸbertragung,
aber er hat fŸr jeden auch noch ein nettes Wort Ÿbrig. Entsprechend lange
dauert die Abendrunde fŸr ihn.
Leider nahm der Wind wieder etwas zu, soda§ wir auch hier
noch 2 Hafentage einlegen mu§ten. Angenehm, es gibt auf ®r¿ einen kostenlosen
Busverkehr fŸr den Tourismus. Diesen nutzen wir, um die schšne Stadt ®r¿sk¿bing
zu besuchen. Die schšn erhaltenen FachwerkhŠuser und der Hafen samt Eisessen
lie§en den Tag rasch vergehen.
Eine Runde
um Als; Ÿber S¿nderborg und Dyvig nach FŒborg
Von S¿by ging es Ÿber den Kleinen Belt nach S¿nderborg in
den Yachthafen. HierŸber gibt es nichts besonderes zu berichten, au§er, da§ wir
immerhin 10sm lang die Segel benutzen konnten. Nach dem Ablegen am nŠchsten Morgen
mu§ten wir noch einige Minuten vor der KlappbrŸcke auf das …ffnen warten, bevor
es dann den Alssund hinauf ging.
Leider war auch an diesem Tag der Motor zur Fortbewegung
notwendig. Bereits um 13:00 Uhr machten wir am Steg 4 in Dvig fest. Daher
konnte eine Runde Schwimmen eingelegt werden. Paul traute sich auf dem RŸcken des
Papas hinaus auf das Wasser zu gehen. Das Schwimmen hatte er im Schwimmbad zuhause
schon gelernt. Aber auf dem gro§en Wasser ist es doch zunŠchst etwas
respekteinflš§end und eine Rettungsweste hilfreich.
Dyvig: Auf
Papas RŸcken im Wasser der Ostsee
ZurŸck
nach Fehmarn: Ly¿, FŒborg und weiter Ÿber Bagenkop zurŸck nach Burgtiefe
Wieder zurŸck Ÿber den Kleinen Belt sollte es zur kleinen,
idyllischen Insel Ly¿ gehen. Wir kamen auch gut bis dort hin. Aber im Hafen war
alles všllig Ÿberlaufen und fŸr ein 44 Fu§ – Schiff war leider kein Platz
auch in der kleinsten Ecke zu finden. So mu§ten wir den Hafen wieder verlassen
und weiter nach FŒborg fahren. Dort ging es noch nicht so ŸberfŸllt zu und wir
legten an der Au§enmole in einer Box an.
Durch den gŸnstigen Liegeplatz konnten wir im Laufe des
Nachmittags sehen, wie sich der Hafen immer mehr fŸllte und spŠter am Abend
dann die Schiffe im PŠcken mit bis zu 5 Schiffen nebeneinander lagen.
Neben uns lag eine gro§e 47 Fu§-Yacht mit einer Familie mit 5 Kindern an Bord. Im Gegensatz zu den ãKrawallbootenÒ
in anderen HŠfen konnte ich nur bestes und rŸcksichtsvolles Verhalten
beobachten. Wir haben die ganze Nacht durch keinen Ton von diesem Familienschiff
gehšrt. Am nŠchsten Morgen verabschiedete sich die Familie auch noch von uns.
Es gibt sie also doch noch, die hšflichen und gut erzogenen Kinder.
Jetzt mu§ten wir so langsam an den RŸckweg denken. Im Prinzip hatten wir noch 1 Tag als Reserve und entschieden uns fŸr Bagenkop, welcher am gŸnstigsten auf dem RŸckweg lag. Welch eine †berraschung, beim Einlaufen nach 32sm um 14:20 Uhr legten wir am selben Platz an, an welchem wir schon bei der Hinfahrt angelegt hatten. Gleich neben uns lag ein grš§erer Motorsegler mit ãPromenadendeckÒ auf welchem es sich 3 Herren auf LiegestŸhlen schon bequem gemachten hatten bereit fŸr das ãHafenkinoÒ. So nennt man das Spektakel im Hochsommer wenn die Chartercrews mit viel Aufmerksamkeitswert aber wenig †bung die LiegeplŠtze anzulaufen.

Bereit
fŸrs ãHafenkinoÒ in Bagenkop / Langeland
Die RŸckfahrt nach Burgtiefe auf Fehmarn verlief
unspektakulŠr. Da der Wind auf SE gedreht hatte, konnten wir noch nicht einmal
die Segel setzen. Nach 34sm machten wir wieder an Steg 1 fest. Die
SchiffsŸbergabe ging problemlos von statten und wir konnten nach Burg zum
Tšrnabschiedsessen fahren.
Ein Tšrn
mit Kleinkind war erfolgreich zu Ende gegangen. Leider konnte nur wenig
gesegelt werden. Aber das kann ja in den nŠchsten Jahren auf dem Eignerschiff
von Michael nachgeholt werden.
FŸr mich als ResŸmee das erstaunlichste: Paul hat alles mitgemacht
und hat sich problemlos an das Bordleben angepa§t. Das hatten wir Erwachsene schon
auf den vielen Familienbooten in der Hauptsaison auch beobachtet. Segeln geht
also von Kindes Beinen an bis ins hohe Alter.